Chronik

Schon von der Donaubrücke aus grüßt von Norden her der schlanke Kirchturm der ehemaligen Hofmark Irnsing. Wening berichtet in seiner Historica-Topographica Descriptio: "Irnsing, ein adeliger Sitz und Sedel samt einem Schloß, ist eine kleine Stunde von Neustatt, jenseits der Thonau gelegen. Ist eine große Ortschaft und liegt teils am Fuß des Berges, teils in der Höhe neben diesem Sitz. Gegen Aufgang und Mitternacht hat es ebene und fruchtbare Feldungen, gegen Niedergang aber den sogenannten Hienheimer Forst, allwo auch ein kleines Wasser, die Ache genannt, entspringt und nach 500 Schritt weitem Lauf in die Donau fallet. Anderwärts (=außerdem) gibt es in dieser Gegend schöne Auen, Gehölz, Weinberg und Wiesen samt einem doch nicht sonders bekannten Schwefelbrunnen. Damit gibt uns der bekannte Kupferstecher eine fast erschöpfende Beschreibung des alten Ortes und erwähnt nicht mit Unrecht die Weinberge; denn der Irnsinger Wein erfreute sich besonderer Wertschätzung. Die staffelförmigen Abstufungen des Geländes lassen heute noch die ehemaligen Weinberge erkennen; sie breiteten sich zwischen Dorf und der Bürg, sowie auch gegen Westen hin aus. Bereits 1128 gehörten 9 Weinberge von Irnsing dem Kloster Weltenburg.

Irnsing wird im Jahre 900 zum erstenmal urkundlich genannt als Eringisingun, d.h. bei den Angehörigen des Eringis (des für die Ehre Streitenden, des Ehrenspeeres). In diesem Jahre tauschte nämlich Bischof Tuto von Regensburg den Ort Tann und bei Eringisingun eine Hube mit einem Holze, Pernloch genannt, gegen einen Ort Imaristet (vielleicht Immenstatt, Pfarrei Aschach bei Amberg). Aus einer 2. Urkunde: „Den 1.November 1012 schenkte der Kaiser Heinrich II. als oberster Lehensherr dem neugegründeten Bistum Bamberg den Ort Eringesigun. Das nur Irnsing gemeint sein kann, ergibt sich aus dem Zusatz, das es im „Kellesgau“  (von dem Flüßchen Kels) gelegen sei.

Über die Entstehung des Ortes war Schuegraf der Meinung, daß Irnsing wegen seiner beherrschenden Lage den Römern zur Errichtung eines Kastells besonders geeignet scheinen mußte, um in Verbindung mit dem schräg gegenüberliegenden Eininger Kastell sowohl die Reichsgrenze (Limes) als auch den Donauübergang zu sichern. Die sogenannte "Bürg" (auch "Sündsburg" oder Irnsinger Römerschanze Bezeichnet) hielt er für die Überreste eines Römerkastells. Die an der Friedhofsmauer angebrachte Tafel besagt Ähnliches.

Die Bürg liegt nordöstlich vom Dorf auf einer bedeutenden Anhöhe, die das gegenüberliegende Donauufer und damit auch das Römerlager Abusina Überragt. Die Befestigungsanlage hat die Form eines unregelmäßigen, stark abgerundeten Vierecks von 250 Meter Länge, von 120 bis 150 Meter Breite und von 2,93 ha Fläche. In dem von einem Graben umgebenen Wall ist größtenteils eine 1,40 ‑ 1,70 m breite Mauer von 350 m Länge, die nur stellenweise aus dem Erdwall herausragt. Nur ein Zugang führt in das Innere, das von mehreren Terrassen durchzogen ist, die auf früheren Weinbau schließen lassen. Am Südfuß der steilabfallenden Schanze quillt eine Schwefelquelle heraus.

In früheren Zeiten schenkte man der Burg große Beachtung, wie aus folgendem hervorgeht. Als sich im Jahre 1752 der Söldner Johann Haas von Irnsing aus der Schanze Steine zum Hausbau verschaffen wollte, entdeckten er und der ihm bei der Arbeit zusehende Halbbauer Johann Wilhelm von Irnsing ein tiefes Loch, dessen Tiefe sie vergeblich zu ergründen versuchten. Während des Grabens hatten sie ständig stinkende Dämpfe wahrgenommen. Über dieses merkwürdige Loch verbreiteten sich alsbald wunderliche Gerüchte und viele Leute strömten herbei um es zu sehen, auch der Hofmarchsrichter Herr von Kammerlohr.

Als die Kunde davon an höchste Stelle gelangt war, wurde das zuständige Pfleggericht Neustadt a. d. Donau beauftragt, Erhebungen über den wahren Tatbestand anzustellen. Im Jahre 1781 begannen die gerichtlichen Untersuchungen, die aber keine Klarheit schaffen konnten.

Erst am Ende des verflossenen und zu Beginn des jetzigen Jahrhunderts wurden von der Limeskommission sachkundige Grabungen vorgenommen. Professor Fink (München) schreibt darüber (Limes-Blatt Nr. 15, Jahrgang 1895):"Die viel umstrittene Schanze bei Irnsing gab kein einziges Fundstück aus römischer Zeit; dagegen fanden sich, in schwarze Erde eingebettet, viele unzweifelhaft prähistorische Scherben. Erweckt schon die halbrunde Form der Anlage erhebliche Zweifel an einen römischen Ursprung, so wurden diese durch die Wahrnehmung, daß eine breite Mauer in den Wall gelegt war, noch gemehrt; denn der einzige, auffindbare Eingang ist ähnlich wie beim Manchinger Ringwall durch ein Zurückbiegen der Wallmauer gebildet. So interessant das Werk auch immer ist, mit dem römischen Grenzwall kann es sicherlich in keiner Beziehung gestanden haben.

Man sieht heute in der Burg eine Fliehburg gegen die Ungarn etwa aus dem 9. oder 10. Jahrhundert (Deutsche Gaue, Bd.XXI, 1920, S. 69). 

Nördlich und östlich von der Bürg verlief die Römerstraße, die sich von Abusina aus in Richtung Pirkenbrunn und Pförring zog; von ihr sind noch an verschiedenen Stellen Überreste vorhanden. km 1. November 1012 schenkte Kaiser Heinrich der Heilige seinem neuerrichteten Bistum Bamberg den Ort Eringisingun mit allem Zubehör, was ober und unter der Erde ist, bebaut und unbebaut, mit den Weilern, Weinbergen, Wiesen, Wassern, Mühlen, Wegen und Stegen und mit allen Leibeigenen beiderlei Geschlechts.

Schon damals saßen auf Irnsing die Edlen von Irnsing. Im 11. Jahrhundert übergab Pertold von Irnsing dem Abt Waltchun Leibeigene und Ekehard von Irnsing war Zeuge. Im 12. Jahrhundert waren Wickmann und Reginbod von Irnsing Zeugen bei der Schenkung Friedrichs von Hergottshofen. Rudiger von Irnsing ist im 11. Jahrhundert im Nekrolog eingetragen (Chronik von Weltenburg). Noch im Jahre 1350 trat ein Herr Rudiger von Urisinge auf. Bald darnach scheint jedoch das Geschlecht ausgestorben zu sein, denn 1385 wird auf Irnsing ein Chalchoch der Hofer genannt. 1429 war ein Wilhelm Pförringer, Richter von Vohburg, Inhaber von Irnsing, und 1430 - 1447 sein Sohn Hans Pförringer ( Mon. Boic. XII. S. 462). Letzterem folgten seine beiden Söhne Wilhelm und Hans Pförringer, von denen Irnsing 1480 an den Edlen Wilhelm Mendorfer und 1490 an Jakob Prantl (Prändl),  Pfleger zu Altmannstein und Landrichter von Dachau, kam; in dieser Familie verblieb der Besitz bis 1669. Im Jahre 1524 wurde die Familie Prantl in die Landtafel eingetragen.

Zu dem adeligen Sitz gehörte zu dieser Zeit ein stattliches Schloß, ein Sedlhof und sieben Sölden; es wurden aber besonders in den Jahren 1670 - 1690 viele Höfe hinzu gekauft, so daß die Inhaber das Recht der Edelmannsfreiheit genossen. Der erste Prantl war Jörg Prantl zu Irnsing, Pfleger zu Neustadt 1539. Sein Sohn Hans Prantl, fürstl. Rat zu Burghausen, erwarb um 1603 vom Bruder seiner Frau das Lehen Hienheim; zugleich besaß er noch die Güter Peterfecking und Löwenstein. Wolf Leonhard Prantl, Sohn ,des Vorigen, war 1636 kurfürstl. bayer. Oberleutnant und Kommandant der Hauptfestung Ingolstadt. Mit dessen Nachkomme, dem Adam Franz Präntl, Sr. Durchlaucht Hofrat, Hofoberrichter und Truchseß, dann Landrichter des kaiserl. Landgerichts Hirschberg gesessen auf Irnsing, Hienheim und Löwenstein, starb 1669 das Geschlecht aus. Er war vermählt mit Maria Magdalena der Tochter des Balthasar von Kammerlohr, "gewesten Hochzahlgegenschreibers"; in seinem letzten Willen hatte er als Erbin aller seiner Güter seine Gemahlin bestimmt. Diese verheiratete sich später mit Marquard Ludwig Ferdinand Frhr. von Nothaft auf Weißenstein, kurfürstl. Kämmerer und Hofrat. Nach dessen Tod verblieben die Besitzungen bei der Familie Kammerlohr und 1730 ist Joseph Marguard Eustach Leonhard Frhr. von Kammerlohr von Weiching auf Irnsing, Hienheim, Wagegg, Burchberg und Englsdorf, kurbayer. Regimentsrat, in den Akten verzeichnet. Mit ihm starb am 3. Oktober 1771 der letzte Kammerlohr auf Irnsing. Er hatte als Erben seinen Adoptivsohn, Joseph Frhr. von Speidl, den Sohn einer Kammerlohrin bestimmt. Von diesem ging Irnsing durch Güterüberweisung im Jahre 1778 über an Maximilian Graf von Arco, kurfürstl. Kämmerer und Wildmeister von Geisenfeld. Sein Nachfolger, Joseph Freiherr von Lerchenfeld-Aham, St. Georgi-Kommandeur und Divisionsrat, heiratete nach dem Tode seiner Gemahlin Maria Anna, geb. Gräfin Seiboldstorf, seine Haushälterin, die Gärtnerstochter Therese Ernst von Irnsing; das Gut Irnsing vermachte er aber 1808 seinem Schwiegersohn, Joseph Frhr. von Schleich, königl. Major. Dessen Witwe Maria Anna verkaufte Irnsing an den Baron Gruben und dieser 1854 an den bürgerlichen Hofmeier von Siegenburg. Im Jahre 1857 übernahm das Schloßgut Mislinger von Weichs, 1860 Joseph Resch und 1875 dessen Sohn Peter Resch (n. Baumgartner, Ritzinger, Schuegraf und andere).

Das Schloß steht auf der höchsten Stelle des Dorfes neben der Kirche und ist auch heute noch ein stattliches Gebäude mit schönem Stiegenhaus, großem Hofraum und ausgedehnten Gärten. Im sehr fest gezimmerten Dachstuhl hat sich der Baumeister verewigt:" Wolf Stettner der Zieglmeier aus Ettling 1677."

Die ursprüngliche Burg umfaßte das Gebiet der heutigen Dorfkirche und des Friedhofs und war stark befestigt, wie die Umfassungsmauern heute noch zeigen, obwohl sie nicht mehr die einstige Höhe besitzen. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg zu klein, weshalb man den daneben stehenden Sedelhof und das Ökonomiegebäude 1677 zum Schloß umbaute. Die bisherige Schloßkirche, die St. Michaelskirche, wurde Friedhofskapelle und die Burg zur Dorfkirche umgestaltet; das Presbyterium derselben kam in den alten Wachturm zu liegen. Die doppelgeschossige Friedhofskapelle ist nach den Kunstdenkmälern Bayern eine Schöpfung des 14. Jahrhunderts, nach dem allgemeinen Volksglauben aber das alte römische Sacellum (=heilige Stätte mit der. Altar), auf das in späterer Zeit die Michaelskirche aufgebaut wurde. sie ist in den Burgbering (=Burgbereich) mit einbezogen und wurde in Zeiten der Not mit zur Verteidigung verwendet, wie die jetzt noch an ihr erhaltenen Schießscharten bezeugen. Sie ist der Jungfrau Maria geweiht und wurde 1858 völlig umgebaut. Im Untergeschoß mit zwei Kreuzgewölben wurde eine Lourdesgrotte eingerichtet; im Obergeschoß ist noch ein Rokokoaltar mit dem Bild des heiligen Michael. Das Presbyterium der Dorfkirche im ehemaligen Wachturm wurde erhöht, der Turm selbst mit vier Strebepfeilern gestützt, das Schiff um 10 m verlängert und ein eigener Glockenturm angefügt, so daß sie eine stattliche Kirche geworden ist. Durch ihre hohe Lage und durch die mächtige Kirchhofmauer bietet sie ein besonders malerisches Bild. Die beachtenswerte Kanzel in Frührokoko ist um 1720 geschaffen worden und an der Außenseite der Kirche ist ein Originelles Kalksteinrelief aus der Zeit um 1640 angebracht. Es stellt die 14 Nothelfer, in zwei Reihen angeordnet dar; in der oberen Reihe zwischen den heiligen Jungfrauen ist die Mutter Gottes mit dem Jesuskind, in der unteren Reihe am linken Ende, größer als die übrigen Figuren, der Erbärmde-Christus. Die Angaben der Steintafel an der Außenseite des Friedhofs, die schon vorher erwähnt wurde, entsprechen nicht den Tatsachen.

Das Filialdorf Irnsing zählt mit Steinbruchsiedlung 672 Einwohner in 102 Wohngebäuden. Die Kirche wurde bereits 1012 (1014) von Kaiser Heinrich II. an das Bistum Bamberg vergabt. Der Pfarrer Sighard von Hienheim forderte 1161 vom Kollegialstift zur alten Kapelle die Kirche in Irnsing als Filiale zu seiner Pfarrei; aber noch 1189 übte ein Pleban (Weltpriester) Bertholdus sein Amt aus. Am 6. Dezember 1391 gründeten Hans der Pförringer zu Irnsing, Friedrich der Metzinger und Johann Ulrich der Ehlinger (Ettinger) zusammen mit der Dorfgemeinde das Frühmeßbenefizium. Im 16. Jahrhundert wurde es in Kuratbenefizium umgewandelt, das noch heute besteht.

Die Schule in Irnsing wird schon in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erwähnt. Die Schulsäle wurden aber erst 1895 erbaut.